Déménagement [Umzug]

Am Dienstag wird der lang ersehnte, viel umstrittene Umzug unseres 8-Mann-Büros in 2 Büros à 3 und 5 Mann vollzogen. Dabei geht es entfernungstechnisch gar nicht so weit: auf der selben Etage, dem verglasten Flur entlang, um 2 Ecken und 3 Büros weiter richte ich meinen Arbeitsplatz ein. Im Vergleich zu anderen eine echte Verbesserung, da ich statt wie vorher neben dem lautstarken Informatikraum voller Server einen sonnigen Platz direkt am Fenster einnehme. Dafür sind die lieben Arbeitskollegen Isabelle, Hinda und Ebtissam nicht mehr in Hör-und Sehweite und damit ein Teil der unterhaltsamen Einlagen vorerst passé. Naja man kann eben nicht alles haben.

Noch dazu haben wir einen neuen Kollegen mit im Büro, der gern seine gesamte Arbeit kommentiert und auf unsere Lachsalven wartet - leider vergeblich. Denn dass man sich mitunter konzentrieren muss scheint ihm fremd. Dazu kompensiert er seine Nervosität mit Beinewackeln. Gott sei dank nicht unter meinem Schreibtisch, allerdings sorgt die Synthetikhose für ein nicht zu überhörbares Raschelgeräusch - ich liebe es!


(Foto links: Carlos und Wolfgang bei einer spontanen Gitarren-Einlage
Foto rechts: Das Geburtstagskind und meine Wenigkeit)

Am Donnerstag feiern wir auf der 3. Etage Maison HeinrichHeine Annabelles Geburtstag rein, denn Freitag ist französischer Nationalfeiertag (Tag des Sieges 1945). Anschließend erstatte ich der kleinen Hausfeier im Gemeinschaftsraum einen Besuch. Tischkicker (baby foot) und Tischtennis versetzten mich in eine unverwechselbare Ferienlagerstimmung.

Rêve général = Grève générale

Freitag: 1.Mai. Uns lockt die Sonne förmlich aus dem Haus also beschließen Wolfgang und ich Richtung Parc de Luxembourg aufzubrechen. Dort angekommen erwecken die sommerlichen Temperaturen ein unweigerliches, tiefes, ursprüngliches Bedürfnis nach EIS. Wie Brotkrumpen in Hänsel und Gretel muss man nur den Weg der Menschen mit riesigen Eistüten zurückverfolgen und schon landen wir bei einem sündhaft guten italienischen Eisladen. Da nimmt man auch schon Mal die 30 Minuten warten in Kauf. Ich kann mich bei der riesigen Auswahl an köstlichen Eissorten kaum entscheiden, aber nach mehrmaligen Umentscheiden wird es nun "L'inimitable" (sowas wie Haselnuss/Nougat), Himbeere und Amaretto (Mandel). Man, ich träume noch jetzt davon!

Durch Zufall geraten wir anschließend in die Hauptparade des Generalstreikes, wo für alles möglich gestreikt wird. Wie in einem Film wird sogleich hinter den letzten Demonstrationen mittels einer Großkolonne grüner Reinigungfahrzeuge für Ordnung und Sauberkeit gesorgt, als wäre nie etwas geschehen.

Abends gehen Wolfgang und ich zu Freunden auf eine private Feier. Anfangs scheint der Abend etwas öde und bei mir macht sich der lange Fußmarsch bemerkbar. Aber schließlich entsteht eine spontane Jamsession bestehend aus 2 Gitarren, Gesang, Rap und Rhythmik. So vergehen die Stunden wie im Flug und wir finden uns gegen 5 am Platz St. Michel wieder. Da noch keine Metro fährt nehmen wir in einem Café direkt an der Ecke Platz. Als wir Richtung Bett aufbrechen, geht gerade die Sonne über Notre Dame auf. Wow - wir sind wirklich in Paris.

( Foto: Mission "Crème brûlée"
Agenten Wolfgang, Pierre, Ms X)

Am Sonntag ist uns wiederum nach Kultur und wir gehen ins Dalí Museum bei Monmatre. Schon der Fußweg zum Museum ist ein Erlebnis für sich! Jedenfalls kennt Wolfgang Crème brûlée noch nicht, also teilen wir uns drei in einem Café sitzend, den Ausblick auf die Stadt genießend dieses herrliche Dessert.

4 Tage Arbeiten für 3 Tage frei - So muss eine Woche sein!

Am Mittag Mitte der Woche gehen wir zum Abschied unseres Kollegen Christian in ein italienisches Restaurant 2 Strassen von unserem Büro entfernt. Für 10 Euro pro Person kann man sich hier am Buffet den Magen vollschlagen. Von kalten Antipasti, Salat über Lasagne, Käsenudeln bis hin zu zur Mascarpone-Nachspeise gibt es alles was das Steffiherz begehrt. Und dann will man natürlich alles mal probiert haben. Ich brauche wohl nicht zu erklären, wie ich mich dann am Nachmittag an meinem Schreibtisch fühlte - mit Wackersteinen im Magen. Ach, Essen ist schon was feines.

Freitag ist frei. Schon rein logisch dem Namen nach sollte das immer der Fall sein!
Das schwedische Haus lädt also am Donnerstagabend zum Lagerfeuer ein. Als die Sonne hinter den Bauten der angrenzenden Banlieues verschwindet, die Überbleibsel des Feuers nur noch wenig Wärme spenden, sich das Publikum allmählich lichtet, stellt sich uns die Frage: "Was tun an diesem noch jungen Abend?" Kurzerhand unternehmen wir eine kleine Besichtigung des Schwedenhauses und laden uns eben selbst zu einer kleinen Feier im 2. Stock ein. Aber so richtig tauen wir nicht auf und beschließen daher noch in das Haus der Ingenieure "Arts et Métiers" zur Studentenfeier zu gehen. Auch die 7 Euro Eintritt können uns nicht mehr abschrecken und wir genießen es, zu typischer Studentenfeier-Musik die Gliedmaßen zu schütteln.

Ohne Worte...

Ein Stückchen Orient im Herzen Paris

Am Freitagabend trifft 1. Etage grand couloir (großer Gang) auf 3. Etage petit couloir (kleiner Gang) zur gemeinsamen Barbegehung. Auf Empfehlung landen wir in der Straße zwischen Les Halles und Centre Pompidou. Nur leider passen wir 7 Mann nicht mehr in diese kleine Bar unserer Wahl. Also Übergang zu Plan B: eine Lesbenkneipe wenige Hauseingänge weiter. Keine sonderbaren Vorfälle zu verzeichnen. Zwei Bier später fahren wir auch artig mit der letzten RER nach Hause.

Am Samstag gehe ich mit Zin in die Grande Mosquée (er meinet bei mir klänge es immer wie Mus...i, so ein Käse!). Echt beeindruckend dieser Ausflug in eine komplett andere Kultur. Wie schön das erst im Sommer wirken muss. Ein wahrer Farbklecks im übrigen Betongrau.
Die Krönung stellt der Genuss eines völlig übersüßten und überteuerten Tees im angrenzenden Teehaus dar. Dort im Saal hausen in einer Lampe Spatzen, die sich frech auf die Zinntische setzen und im unbeobachteten Moment von den herrlichen süßen Orientspezialitäten des Hauses naschen.

Nächste Haltestelle: Philippe August

Ja, so allmählich ist der Arbeitsweg vertraut. Auch in den Hamsterbau-ähnlichen Metrostationen mit verzweigten Wegenetz finde ich mich mittlerweile fast blind zurecht. Ist auch notwendig, denn meine Augen sind kaum mehr als einen Spalt geöffnet, wenn ich morgens die Metro benutze. Ich kenne sogar schon den besten Sitzplatz: am Wagenende am breiten Fenster auf der linken Seite. Dort kann ich nämlich unbehelligt die 20 Minuten durchschlummern. Nur gefährlich ist es dann die richtige Haltestelle nicht schlafend zu verpassen.

Damit es nicht langweilig wird, habe ich jetzt einen neuen Arbeitsweg erkundschaftet, der bei insgesamt 40 Minuten-Weg ganze 5 Minuten Einsparung bringt. Super. Aber ein weiterer Aspekt ist der möglichst schmerzfreie Umstieg an einer möglichst wenig benutzten Metrostation mit dem kürzesten Weg zwischen den Bahnsteigen. Ein weiterer Vorteil meiner neuen Strecke: die 15 Minuten in der ersten Metro sind fast ausschließlich überirdisch, d.h. FRISCHLUFT bei jedem Halt! Sehr angenehm! Vor allem wenn dann die Metros im Hochsommer schön prall gefüllt sein werden.

Willkommen im Alltag

Anscheinend ist eine Erkrankung während der Eingewöhnungszeit nichts ungewöhnliches. Jedenfalls ergab das meine private Studie unter den schon länger in Paris wohnhaften Studenten des Heinrich Heine Wohnheims. Also stelle ich mit meinem Schnupfen keinen Einzelfall dar .
Den wohlverdienten freien Ostermontag verbringe ich folglich nicht mit Touri-Tätigkeiten, sondern mit Selbstkrankenpflege. D.h. viele Vitamine und Ausruhen, was natürlich am besten in der Sonne geht. Daher mach ich es mir auf der Wiese unseres schönen Campus gemütlich und halte ein ausgiebiges Nickerchen.

Am Dienstag schlepp ich mich auch mehr schlecht als recht auf Arbeit und bevorzuge die administrativen Aufgaben, auch um meine potenziellen Kunden nicht durch meine nasale Stimme zu verschrecken. Ab Mittwoch verbessert sich auch konstant mein Zustand, sodass es auch Abends gleich wieder zur Stammbar von FILOU gehen kann. Dort feiert ein Arbeitskollege von Alexis Geburtstag.

Das Wochenende lass ich lieber langsam angehen und so begeben wir uns erst am Samstagnachmittag ins Musée d'Orsay (Foto rechts), zu den Impressionisten. Cézanne, Monet und Manet sind das Anstehen im Nieselregen und das wühlen durch die Menschentrauben auch völlig wert! Aber mehr als 3 Säle sind auch kaum in 1,5 Stunden schaffbar.
Dafür bekomm ich eine Ahnung davon, wie beeindruckend der Ausblick aus der obersten Etage des Musee d'Orsay, durch die Uhren sein kann bei schönem Wetter. Das haben wir nur leider grad nicht. :-)
(Foto links)

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Am Sonntag lass ich mich bekochen: koreanisch Reis mit Kokossoße und Gemüse. Danach bekomme ich sogar ein privates Gitarrenkonzert: Wolfgang und Zin improvisieren ein Duo bei Abenddämmerung. Echt Paradiesisch. Und damit nicht genug. Es gibt noch anschließend einen Schlemmermarathon im "petit couloir" der 3. Etage zum Namenstag von Anastacia. Rundgefuttert gehts dann gegen Mitternacht ins Bett.